Die julischen Alpen sind die letzte Gebiergsgruppe auf meiner diesjährigen Alpenüberquerung. Der Weg führt mich dafür durch den Triglav Nationalpark in Slowenien und bietet neben einer beeindruckenden Berglandschaft auch eine schöne Tier- und Pflanzenwelt.
Tag 14 – Refugo Zacchi bis Poštarski dom na Vršicu – 20.08.2025
11,8 km / H 1630 m / R 1310 m
Tatsächlich war ich die ganze Nacht wieder alleine in meinem Mehrbettzimmer. Trotz offenem Fenster war so warm, dass ich auf meinem Hüttenschlafsack ohne Decke geschlafen habe.

Obwohl es offiziell erst um 8 Uhr Frühstück gibt, sitze ich bereits um halb 8 am Tisch und kann mich auch schon bedienen. Für heute habe ich mir wieder eine Alternative herausgesucht. Anstatt um den Berg herum zu laufen, gibt es auch einen Klettersteig, den man bei guten Wetter anscheinend auch ohne Klettenrausrüstung bewältigen kann. Das Wetter ist zwar nur so naja, aber bis auf die andere Seite des Berges sollte es immerhin nicht regnen.

Der Weg spart sich einen sanften Anstieg und führt stattdessen direkt steil bergauf, wodurch ich schnell an Höhe gewinne.

Zwischendrin komme ich immer wieder an seilgesicherten Passagen vorbei, bei denen ich mich am Drahtseil festhalte und das ein und andere Mal ziehe ich mich einfach direkt am Seil nach oben.

Im wesentlichen ist der Weg aber doch Recht ungefährlich und ich komme schnell oben an, wo ich eine kleine Pause einlege.


Danach steige ich auf der anderen Seite wieder lange ab. Der Weg hat zwar keinen Klettersteig, aber ich rutsche auf dem Geröll häufig ziemlich durch die Gegend. Später geht es noch kurz durch den Wald und gerade als der Regen einsetzt, erreiche ich die Hütte Dom v Tamarju, welche ich bereits von weiter oben gut sehen konnte.

Dort angekommen, lege ich eine Mittagspause ein, bis der Regen aufhört. Gerade als ich los möchte kommen Oliver und Monika an, die eine Flachlandalternative gewählt haben, wodurch sie sich einen halben Tag sparten. Ich tausche mich noch etwas mit ihnen aus. Da beide aber hier übernachten wollen und ich noch etwas Weg vor mir habe, laufe ich bald wieder los.
Es geht erneut bergauf, aber deutlich weniger steil als heute morgen. Ich laufe die 700 Höhenmeter ohne Pause nach oben und folge dort dem flachen Pfad am Hang entlang. Trotz schlechtem Wetter habe ich eine schöne Aussicht vor mir.



Bald startet dann ein kleiner Abstieg, welcher mich zur Poštarski dom na Vršicu Hütte bringt. Dort meint die Hüttenwirtin sie seien komplette ausgebucht. Zum Glück war das nur ein Witz und ich bekomme einen Platz im Lager, in dem heute außer mir angeblich nur sehr wenige Leute sein werden. Die 4€ für eine warme Dusche spare ich mir und gönne mir eine gesunde kalte Dusche, die wirklich bitter kalt ist. Das gesparte Geld investierte ich dann in einen wärmenden Kaffee. Ich schreibe Tagebuch und plane die nächsten Tage durch, während ich darauf warte, dass es endlich Abendessen gibt.

Es gibt lecker Suppe, bei der ich dreimal nachschlage und danach Spaghetti und zum Abschluss Pfannkuchen. Nach dem Abendessen sitze ich noch mit Julia, einer Wanderin die hier in der Gegend mehrere Tage unterwegs ist, zusammen und unterhalte mich über mögliche Routen, die wir auch bei dem schlechten Wetter gehen können. Gegen 21 Uhr verabschiede ich mich dann und gehe schlafen.
Tag 15 – Poštarski dom na Vršicu bis Pogacnikov Dom na Kriških Podhi – 21.08.2025
8,75 km / H 1060 m / R 760 m
Heute steht für mich laut Reiseführer die schwierigste Etappe an, die nur bei optimalen Wetter begangen werden sollte. Leider regnet es am morgen direkt und auch über den Tag ist die meiste Zeit Regen gemeldet. Also schlage ich beim Frühstücksbuffet erstmal ordentlich zu. Dabei überlege ich mir was ich machen möchte. Als Alternative könnte ich auch nach Trient absteigen, müsste dann aber die nächsten Tage wieder aufsteigen. Da der Wetterbericht lediglich Regen meldet und ein kleiner Klettersteig auch bei Regen für mich machbar sein sollte, mache ich mich gegen 9 Uhr dann doch auf den Weg über die Berge.
Leider regnet es von Beginn an ziemlich heftig und ich bin bald komplett durchnässt. In der ersten Stunde bekomme ich so gut wie keine Berge zu Gesicht. Die meiste Zeit laufe ich in einer Wolke, wo ich weder viel sehen noch hören kann.


Immerhin begegne ich unterwegs ab und an kleinen schwarzen Alpen-Salamandern, die in der sonst so weißen Umgebung sehr interessant aussehen. Die seltenen Tiere wirken als ob sie mich anlächeln würden und aufgrund der Kälte bewegen sie sich auch kaum.

Es geht leicht bergauf und dann im Wald wieder bergab. Der Weg ist zwar rutschig, aber alles in allem gut zu gehen. Nach einiger Zeit begegne ich tatsächlich einem Wanderer, der die gleiche Etappe von der anderen Richtung aus läuft. Er hat den Klettersteig vor mir schon absolviert und meint auch, dass es trotz Regen machbar sein sollte. Wir reden noch eine ganze Weile bis wir beide langsam auskühlen und uns daher wieder auf den Weg machen.
Für mich startet nun der eigentliche Anstieg und hinter mir hat es sogar etwas aufgeklart.Ich steige schnell die ersten Höhenmeter hinauf.

Gerade als ich den ersten Teil des Anstiegs geschafft habe, höre ich auf einmal über mir Donner und es zieht tatsächlich ein Gewitter über den Berg. Mein aktueller Standpunkt ist denkbar schlecht und absteigen schaffe ich wohl auch nicht mehr rechtzeitig. Ich suche mir einen Unterschlupf unter einem Felsvorsprung. Ich lege schnell meine Sachen ab, ziehe etwas trockenes an und gehe 2 Meter von der Wand weg in die Hocke. Somit sollte ich immerhin einigermaßen sicher vor dem Gewitter sein, auch wenn ich nach wie vor ein sehr ungutes Gefühl dabei habe.

Leider zieht das Gewitter nur sehr langsam über mich hinweg und somit sitze ich fast 1,5 Stunden unter diesem Felsvorsprung im trockenen und sehe zu, wie es vor mir Blitz und immer wieder laut donnert.
Nachdem das Gewitter vorbeigezogen ist, warte ich nochmals 15 Minuten bis der Regen nachlässt und ich mir sicher bin, dass das Gewitter wirklich vorbei ist.
Dann mache ich mich wieder auf den Weg und kann bei besserem Wetter den letzten Teil des Anstiegs absolvieren. Es folgt der Klettersteig, welcher aber tatsächlich nicht wirklich anspruchsvoll für mich ist und selbst das nasse Kalkgestein ist weniger rutschig als erwartet. Somit steige ich schnell die letzten Meter auf.

Oben geht es dann kurz am Hang entlang, bevor auf der anderen Seite noch ein kurzer, aber steiler Abstieg über Schotter erfolgt. Da ich keinen Helm dabei habe bin ich hier ganz froh, dass außer mir niemand unterwegs ist. Es geht lange Zeit in Serpentinen den Hang hinunter und insgesamt ist der Weg sehr Steinschlag gefährdet.

Bald komme ich dann unten an und es trennen mich nur noch wenige Minuten von der Hütte, in der ich heute übernachten möchte. Da es noch früh ist und ich eventuell erst am Abend etwas zu essen bekomme, setzte ich mich auf einen Stein und koche mir Couscous.

Nach dem Essen lege ich die letzten Meter bis zur Hütte zurück und bekomme noch einen Platz im Lager. Bei der Ankunft bin ich noch der einzige Gast in der Hütte. Später kommen noch ein paar Leute dazu, aber generell bleibt die Hütte ziemlich leer, was mir ganz gelegen kommt, da ich dann im Lager meine Ruhe habe. Eigentlich wollte ich am Abend entspannt lesen, aber anscheinend hat mein Kindle den Geist aufgegeben. Ich blättere noch etwas in einem englischsprachigen Buch über die slowenische Besteigung der 8000er im Himalaya und gehe dann früh schlafen, um morgen wieder eine etwas größere Tour zu starten. Hoffentlich macht das Wetter mit.

Tag 16 – Pogacnikov Dom na Kriških Podhi bis Dom na Komni – 22.08.2025
24,6 km / H 1620 m / R 2160 m
Das Frühstück viel heute leider klein aus. Es gab zwei Spiegeleier, zwei Scheiben Brot und eine Tasse Kaffee. Alles weiter kostet extra und lasse ich somit erstmal aus.
Ich unterhalten mir noch etwas mit einem Franzosen, den ich bereits gestern in der Hütte getroffen habe und der auf der Via Alpina unterwegs ist. Nach dem Essen laufe ich dann auch direkt los.

Eigentlich führt mich der Weg etwas nach unten um einen Berg herum. Da es aber auch eine alternative Route über den Berg gibt, wähle ich lieber diese, auch wenn ich dafür wieder über einen Klettersteig muss.

Über mit Seilen und Bolzen gesicherten Abschnitte geht es schnell nach oben. Die Steine sind trotz des Regens nicht sehr rutschig. Lediglich der starke Wind am Morgen lässt mich ab und an schwanken und ich muss mich an den Seilen heben, um nicht abzurutschen.

Insgesamt ist der Klettersteig für mich aber auch heute einfach und schon bald komme ich oben am Gipfel an. Da es mir im starken Wind zu kalt für eine Pause ist, steige ich schnell auf der anderen Seite wieder ab.

Während des Abstiegs treffe ich eine Gruppe von Steinböcken an, die erst vor mir wegrennen, als ich auf knapp 5 Meter an sie herangekommen bin. Der Anblick der großen Tiere ist majestätisch und macht mich direkt glücklich.

Hier noch ein schönes Bild eines der Tiere.

Bald schon komme ich am unteren Ende an. Hier finde ich einen windgeschützten Platz und lege eine Kaffeepause ein.

Danach geht es längere Zeit über eine alte Militärstraße, welche teileweise in den Berg gesprengt wurde, nach oben. Da es sich um eine ältere Militärstraße handelt, welche häufig auch für Pferde oder andere Lasttiere ausgelegt wurden, bleibt der Anstiegswinkel dauerhaft moderat und somit komme ich auf den Serpentinen schnell voran. Für mich ist es immer wieder beeindrucken, wie viel Arbeit für den Bau eines solchen Weges auf sich genommen wurde.



Nach einiger Zeit komme ich an der Koca na Dolicu an. Diese Berghütte wird gerne von Leuten genutzt, die auf den Triglav wollen. Da ich keine Ausrüstung dabei habe und mir die Hüttenwirtin heute morgen bereits von einem Aufstieg ohne Helm aufgrund einiger Vorkommnisse in letzter Zeit stark abgeraten hat, esse ich in der Hütte eine Suppe und mache mich wehmütig wieder auf den Weg. Obwohl ich so nah am Triglav vorbeilaufe, lasse ich dieses Abenteuer vorerst aus und verschiebe es auf die Zukunft. Immerhin habe ich dann einen guten Grund mal wieder hierher zurück zu kommen.

Für mich geht es weiter durch eine markante Steinlandschaft. In der leblosen Gegend sind immer wieder schöne Trichter zu erkennen, die typisch für das Kalkgestein sind. Das Regenwasser fließt nicht über Rillen ab, sondern durchbohrt den Boden regelrecht und versickert dann weiter unten, wodurch auch einige interessante Höhlen hier sein sollten.

Bald bekomme ich einen ersten Anblick auf das Tal mit den sieben Seen, welches ich heute noch durchqueren darf.

Von hier an geht es längere Zeit leicht bergab. In dieser Landschaft zu laufen fällt mir sehr einfach und irgendwie erinnert es mich in Teilen an Abschnitte des PCT in Washington.


Ich laufe immer weiter und erst um kurz nach 17 Uhr komme ich beim Dom na Komni an. Auch hier bekomme ich wieder einen Platz. Ich buche mir einen Lagerplatz, werde aber für den gleichen Preis in einem 4-Bett-Zimmer untergebracht. Da heute wenig los ist, verteilen sie die Leute lieber auf die vorhandenen Zimmer. Da es bereits um 18 Uhr Abendessen gibt, beeile ich mich mit dem Duschen, was mir bei einer erneuten kalten Dusche aber auch nicht schwer fällt. Pünktlich um 18 Uhr gibt es dann Essen. Da alle anderen Leute in Gruppen unterwegs sind, komme ich mit niemandem ins Gespräch. Ich nutze den ruhigen Abend und das gute Internet der Hütte, um Bilder auf meinen Blog hochzuladen und somit einige fast veraltete Berichte fertigzustellen. Gegen 21 Uhr gehen ich dann schlafen.
Tag 17 – Dom na Komni bis Tolmin – 23.08.2025
23 km / H 740 m / R 2050 m
Nach einem ausgiebigen Frühstück mache ich mich am Morgen auf den Weg.
Heute habe ich den letzten Alpenpass auf meiner Reise zu bewältigen und möchte danach zumindest bis nach Tolmin absteigen.
Auf den ersten Metern komme ich leider nur langsam voran. Es geht zwar relativ entspannt durch den Wald, aber ich muss immer wieder aufpassen, dass ich auf dem nassen Boden nicht ins Rutschen komme.

Nach einiger Zeit wird der Weg dann von einer größeren Gruppe von Kühen blockiert. Da leider auf beiden Seiten des Weges dichtes Gestrüpp ist und der Weg nur etwa einen Meter breit ist, kann ich nicht um die Tiere herumlaufen. Leider gibt es auch keine angemessenen Alternative und somit warte ich, dass die Kühe den Weg freigeben. Leider wird das zu einer regelrechten Geduldsprobe. Nach kurzer Zeit kommen noch zwei andere Wanderer dazu und wir stehen immer wieder irgendwo im Gebüsch und warten, dass die Kühe auf dem Weg an uns vorbei traben, nur damit wir 5 Meter gehen können und vor der nächsten Gruppe von Kühen stehen. Insgesamt verliere ich dadurch knapp eine Stunde, aber immerhin haben wir dann die letzten Kühe passiert.
Von hier aus laufe ich schnell weiter den Berg hinauf. Es geht immer weiter nach oben und durch die Wolken. Ich denke öfters, dass ich oben angelangt wäre, nur um festzustellen, dass ein weiterer kleiner Anstieg folgt.

Nach einiger Zeit erreiche ich dann endlich den höchsten Punkt, habe aber absolut keine Sicht und es fängt schon wieder an zu regnen. Zum Glück komme ich an einem kleinen Schutzhaus vorbei, wo ich Unterschlupf suche. Dort sind bereits zwei Wanderer und sitzen mit mir zusammen den Regenschauer aus. Wie sich herausstellt kommen sie aus Triest und wandern hier für ein paar Tage. Sie geben mir etwas von ihrer Schokolade ab und wir unterhalten uns bis der Regen nachlässt.

Dann laufen sie den Berg hinauf und ich auf der anderen Seite hinunter. Von hier aus habe ich für einige Minuten einen wunderbaren Blick ins Tal und kann in der Ferne sogar kurz das Meer erblicken, bevor es wieder von Wolken verdeckt wird.

Es geht längere Zeit den Berg hinunter und immer wieder sehe ich alte Bunkeranlagen des ersten Weltkrieges. Kurz nach Mittag komme ich an der Planini Razor an und esse dort Gulasch mit Knödel.

Danach geht es weiter durch den Wald bergab und später führt mich eine Straße nach unten.



Bei einer Klamm überlege ich mir zuerst ob ich mir die noch anschauen möchte, verpasse aber dann den Eingang und zum Zurücklaufen fehlt mir die Motivation.

Am Nachmittag erreiche ich dann nach über 2000 Höhenmetern im Abstieg endlich Tolmin. Eigentlich hatte ich vor nur im Supermarkt einzukaufen und dann weiter zu wandern. Da es am Abend aber starke Gewitter geben soll, buche ich mir doch ein Zimmer in einem Hotel. Leider wird sich so mein Zeitplan für die Tour etwas nach hinten schieben, aber auf eine Nacht im Zelt bei Gewitter und Regenschauern möchte ich verzichten. Nach einer ausgiebigen Dusche mit warmen Wasser, gehe ich einkaufen und esse danach eine Pizza in einem Restaurant.

Zurück auf meinem Zimmer schaue ich zum ersten Mal auf meiner Reise einen Film, während draußen dann tatsächlich das Gewitter tobt. Ich bin froh nicht im Zelt zu liegen und genieße den ruhigen Abend.
Mit der Ankunft in Tolmin habe ich nun tatsächlich den letzten Gebirgszug der Alpen hinter mir gelassen. Von hier aus geht es nun weiter durch das flachere Gelände bis zur Adria.
Aufgrund der vielen Gewitter der letzten Tage wird es für mich zunehmend schwieriger meinen straffen Zeitplan einzuhalten. Die nächsten Tage werden zeigen, ob ich es trotzdem in insgesamt 21 Tagen bis nach Triest schaffen werde.

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